Displaced People oder auch Displaced Persons
„Displaced Persons“ (DPs) wurden Zivilpersonen genannt, die im Zweiten Weltkrieg gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen und sich in einem anderen Land befanden. In der weit überwiegenden Mehrheit handelte es sich dabei um befreite Häftlinge aus Konzentrationslagern, Zwangsarbeiter und Zwangsverschleppte, oder von den Nationalsozialisten angeworbene ausländische Arbeitskräfte die vornehmlich aus osteuropäischen Staaten, aber auch aus ganz Europa stammten und sich bei Kriegsende in den nunmehr westlichen Besatzungszonen Deutschlands und Österreichs befanden.
Nach den Vorstellungen des Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte sollten sie in ihre ursprünglichen Heimatländer zurückkehren, dies wurde als gemeinsames Ziel festgelegt. Die alliierten Armeen rechneten 1944 mit 11,3 Millionen DPs. Nach dem Einmarsch der Alliierten 1945 befanden sich auf dem Gebiet des Deutschen Reiches zwischen 6,5 Millionen und 7 Millionen Displaced Persons.
Die Alliierten richteten für sie spezielle Lager ein, so auch in Alt Garge.
Die Baracken der ehemaligen Arbeiterlager A dienten nach dem Krieg zur Unterbringung von Displaced Persons, um ihre Rückführung oder Auswanderung in neue Heimatländer zu organisieren, und im zunächst amerikanisch besetzten Thüringen. Dort warteten sie auf ihre Auswanderung. Manche hofften auch, in Deutschland eine neue Existenz aufbauen zu können.

Bis Ende 1945 gelang es ihnen auch recht zügig, sechs Millionen DPs zu repatriieren. Doch dann geriet die Rückführung ins Stocken. Immer weniger Menschen wollten zurück nach Mittel- und Osteuropa – weil sie nicht im Kommunismus leben wollten, weil es ihre Heimat so nicht mehr gab oder sie dort weitere Verfolgung fürchten mussten. Sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen standen unter dem Generalverdacht, mit den Deutschen kollaboriert zu haben. Sie wurden oft unter Zwang repatriiert und mussten in ihrer Heimat mit Repressalien oder Verhaftungen rechnen. Viele dieser Menschen verschwanden nach ihrer Rückkehr spurlos. Oder sie wurden inhaftiert und mussten nun in der Sowjetunion wieder Zwangsarbeit leisten. Zudem gab es ab 1946 eine neue Gruppe DPs: Zehntausende Jüdinnen und Juden waren vor den anhaltenden Pogromen in Osteuropa nach Westen geflohen Insbesondere vormals als Jüdinnen: Juden verfolgte Menschen verbrachten manchmal mehrere Jahre in DP-Lagern. Zusätzlich lebten etwa 50.000 jüdische Displaced Persons in DP-Lagern in Österreich und Italien. Die Gesamtzahl der jüdischen Displaced Persons erreichte ihren Höchststand von etwa einer Viertelmillion (davon etwa 190.000 in Westdeutschland) im Laufe des Jahres 1947. Sie fiel erheblich im Laufe des Jahres 1948 infolge der Gründung des Staates Israel und der Änderung der Einwanderungsgesetze der USA.
Internationale Hilfsorganisationen wie die United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA) bemühten sich nach Kräften, den DPs zu helfen und sie zurück in ihre Heimat zu bringen. Zusätzlich kamen Menschen aus Ländern wie Ungarn, Polen oder dem Baltikum nach Westeuropa, die aus politischen Gründen aus dem Machtbereich der Sowjetunion geflohen waren.
Auf dem Friedhof in Barskamp wurden im Wesentlichen Letten begraben.
Die UNRRA wurde bereits während des Zweiten Weltkrieges am 9. November 1943 auf Initiative der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion, des Vereinigten Königreiches und Chinas gegründet.
In einem Memorandum, das erstmals im Sommer 1944 formuliert wurde, legten die Alliierten Regelungen, Aufgaben und Zuständigkeiten für ihre Truppen fest, wie DPs unterzubringen, zu versorgen und zu verwalten waren.
Britische Soldaten in Alt Garge waren hilfreich bei der Organisation von Chören, da Erwachsene etwas zu tun brauchten. Es gab keine Arbeit, da die Deutschen selbst keine Arbeit hatten.“
Nach Kriegsende wurden die Chöre von den Vereinten Nationen übernommen. Sie unterstützten die Entwicklung von Chören, weil sie Menschen halfen, glücklich und beschäftigt zu sein. Die Soldaten und Hilfskräfte waren in der Tat beeindruckt von den Chören und der allgemeinen Organisation in den baltischen DP-Lagern. Die Displaced People aus dem Baltikum (in der Regel Letten) hatten sogar einen Pastor, der in der Barskamper Kirche Gottesdienste in lettischer Sprache abhielt.
Es wurde festgestellt, dass ihre Lager saubere, gut organisierte Orte waren, die von den gewählten Vertretern der Insassen geleitet werden, und wo jeder verfügbarer Zentimeter Platz gut genutzt wird, um Blumen und Gemüse anzubauen. Die Kinder wurden richtig unterrichtet, die Frauen produzierten wunderschöne Textilien, und, um das Ganze abzurunden, ihre Chöre sangen brillant. Die Zugehörigkeit zu diesen Chören trug eindeutig dazu bei, die Moral sowohl für die Sänger als auch für das Publikum immens zu steigern.
Diese Gruppen traten vor dem lokalen Publikum mit großer Wertschätzung auf. Im Alt Garge Camp halfen die Aufführungen, „die Langeweile zu lindern“. Da es keine mögliche Erwerbstätigkeit gab, begannen sie, Aufführungsabende zu organisieren.

Gleich nach dem Krieg halfen Displaced Persons auch den Briten beim Fällen von Baumen in Barskamp, die als Reparationen für die Kriegsschäden im Vereinigten Königreich gedacht waren, wie Augenzeugen berichteten.
Ab Dezember 1951 kamen die DP-Lager der US-amerikanischen und britischen Besatzungszonen in der 1949 neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland unter bundesdeutsche Verwaltung und wurden zu Regierungslagern für heimatlose Ausländer erklärt. Alle DP-Lager wurden bis 1950 geschlossen, bis auf ein letztes– Föhrenwald – das bis 1956 in Betrieb blieb.
In der britischen Besatzungszone existierte das DP-Lager Wehnen bei Oldenburg noch bis 1959.

Durch den Internationalen Suchdienst (ITS) wurden bis März 2014 etwas über 1800 DP-Camps oder DP living zones zusammengetragen, die sich auf den Gebieten der drei Westzonen und der Westsektoren Berlins befanden.
13.11.25