Zivilarbeiter / Fremdarbeiter
Heutige Bezeichnung für Zwangsarbeiter, die keine Kriegsgefangenen oder KZ-Häftlinge waren. Im Sommer 1944 gab es im Deutschen Reich rund 5,7 Millionen ausländische Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter. Sie wurden von privaten Firmen, Behörden, Bauern oder Familien beschäftigt, untergebracht und überwacht. Kriegsgefangene und Militärinternierte unterstanden dagegen der Wehrmacht, Häftlinge der SS oder der Gestapo. Die Bezeichnung „Zivilarbeiter“ verweist also nicht auf besonders zivilisierte Lebensumstände, sondern nur auf die nicht-militärische Verantwortung für ihre Zwangsarbeit.

Umgangssprachliche Bezeichnung für zivile Zwangsarbeiter im Nationalsozialismus. Der Begriff „Fremdarbeiter“ verschleiert den Zwang als Grundlage des Arbeitseinsatzes. Selbst die ursprünglich freiwillig, d. h. oftmals aus wirtschaftlicher Not nach Deutschland gekommenen „Fremdarbeiter“ durften später ihren Arbeitsplatz nicht mehr verlassen.

Der in den Quellen nur selten verwendete Begriff „Fremdarbeiter“ fand nach 1945 Verbreitung, um den nationalsozialistischen Ausländereinsatz von der Beschäftigung der „Gastarbeiter“ in der Bundesrepublik zu unterscheiden. In politischen Debatten werden Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten noch heute gelegentlich als „Fremdarbeiter“ bezeichnet.
Fremdvölkische
Nationalsozialistische Bezeichnung für Menschen, die nicht „germanischer Abstammung“ waren und nicht zur „Volksgemeinschaft“ zählten. Als „fremdvölkisch“ galten alle Ausländerinnen und Ausländer, die nicht aus „germanischen“ Ländern wie den Niederlanden oder Skandinavien kamen. Als „rassisch minderwertig“ wurden insbesondere Slawinnen und Slawen angesehen. Ganz unten in der NS-Rassenhierarchie standen Jüdinnen und Juden, „Zigeuner“ und „Farbige“; sie galten als „fremdvölkisch“, auch wenn sie Deutsche waren.
Sklavenarbeiter
Heutige Bezeichnung für völlig rechtlose Arbeitskräfte, vor allem für die Häftlinge von Konzentrationslagern. Der Begriff „Sklavenarbeiter“ wurde in den Nürnberger Prozessen für alle zur Arbeit ins Reich Verschleppten verwendet. In den Entschädigungsverhandlungen der 1990er Jahre bezeichnete er dagegen nur die Gruppe der KZ-Häftlinge, die für die SS, für private oder staatliche Unternehmen arbeiten mussten und extrem ausgebeutet wurden („Vernichtung durch Arbeit“). Der mit diesem Begriff verbundene Vergleich der NS-Zwangsarbeit mit der Sklaverei in anderen Epochen ist umstritten, unter anderen, weil die SS im Unter-schied zu anderen Sklavenhaltern kaum am Überleben ihrer „Sklavenarbeiter“ interessiert war.
Am 1. Oktober 1946 endete der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess, der die „Sklavenarbeit“ als zentrales Kriegsverbrechen der Nationalsozialisten verurteilte. Im folgenden Video sprechen zwei Zeitzeugen und eine Zeitzeugin über Zwangsarbeit als Sklaverei. Sie verwenden den Begriff „Sklave“ in unterschiedlichen Bedeutungen. Ausschnitte aus den Video-Interviews mit den Zwangsarbeitern Wasyl B., Bloeme E. und Claudio S. (© Archiv „Zwangsarbeit 1939-1945“)
Ostarbeiter
Nationalsozialistische Bezeichnung für Zivilarbeiter, die aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion stammten. Nach der anfänglichen Anwerbung von Freiwilligen folgte sehr bald die gewaltsame Verschleppung von 2,1 Millionen sowjetischen Frauen und Männern nach Deutschland. „Ostarbeiterinnen“ und „Ostarbeiter“ mussten das diskriminierende „OST“-Abzeichen tragen, wurden meistens in besonderen Lagern untergebracht und weitaus schlechter behandelt als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus anderen Ländern. Nach der Befreiung wurden viele von ihnen in der Sowjetunion wegen angeblicher Kollaboration diskriminiert oder verfolgt. Rund 2,8 Millionen Polen mussten zwangsweise im NS-Staat arbeiten. Zwangsarbeiter
Auf dem Höhepunkt des „Ausländereinsatzes“ im August 1944 arbeiteten sechs Millionen zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Deutschen Reich, die meisten davon aus Polen und der Sowjetunion. Über ein Drittel waren Frauen, von denen manche gemeinsam mit ihren Kindern verschleppt wurden oder diese in den Lagern zur Welt brachten.
Siehe auch internen Link, 3.7.1.4 zum Kinderheim in Gienau/ Siecke/ bei Dahlenburg.
Rund 2,8 Millionen Polen mussten zwangsweise im NS-Staat arbeiten. Polen mussten während des Kriegs als Zwangsarbeiter im Deutschen Reich das Zeichen „P“ auf ihrer Kleidung tragen.
23.11.2025